Text aus dem Katalog der Ausstellung Kunst am Wasser, entlang der Aare in Bern, August - November 2010

Bettina Mürner / Sebastian Utzni - Merry-go-round

Rund um einen Baum befindet sich ein Karussell aus Schwemmholz. Es trägt Erinnerungen in sich – verlorene, verborgene. Gedanken an das Spektakel eines Vergnügungsparks werden wach, Gefühle der Kindheit blitzen auf. Wie die von der Aare geprägte Landschaft, ist auch die Installation Merry-go-round vom Spannungsfeld zwischen Natur und menschlichen Eingriffen geprägt. Die Mittelsäule des Karussells bildet ein Baum, lebendig, Teil der Natur. Die Sessel bestehen aus abgestorbenem Holz, das schon einmal von Menschen benutzt wurde. Die Metallketten der Aufhängung fügen daraus ein neues menschliches Werk zusammen. Den Passanten begegnet auf ihrem Weg entlang der Aare mit der Installation von Bettina Mürner und Sebastian Utzni etwas künstlich Geschaffenes, das sich mit der gewachsenen Naturlandschaft verbindet. Es scheint im Fluss zu sein – die Sessel schweben, das Karussell dreht sich und doch ist es ein gefrorener Moment in der Zeit.

Die Uferlandschaft unterliegt einem ständigen Wandel. Durch Überschwemmungen, neues Wachstum, aber auch durch die menschliche Nutzung verändert sie sich. An heissen Tagen verwandeln sich Kiesbänke in einen Freizeitpark, zu anderen Zeiten ist die Natur ganz für sich allein. Die Arbeit Merry-go-round verbindet die Gedanken an beides. Ein Stück Spektakel hängt da im Baum: übrig geblieben oder gerade aufgebaut, künstlich oder natürlich?